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Weltküche

Süße Weltküche: Baklava, Pastéis de Nata, Mochi und Cannoli

Holztisch mit Baklava-Rauten, goldenen Pastéis de Nata, bunten Mochi-Kugeln und gefüllten Cannoli auf verschiedenen Tellern Hände pinseln geklärte Butter auf hauchdünne Yufka-Blätter in einer rechteckigen Backform

Manche Desserts schmecken nach Urlaub, sobald man den ersten Bissen nimmt: der Sirup einer Baklava aus Gaziantep, die karamellisierte Haube einer warmen Pastel de Nata in Lissabon, das weich-elastische Mochi aus einem kleinen Laden in Kyoto oder die knackige Cannolo-Röhre mit Ricotta aus Palermo. Die gute Nachricht: Für all das musst du nicht verreisen. Fast alle Zutaten bekommst du heute im türkischen Supermarkt, im Asia-Markt oder in der gut sortierten Feinkostabteilung um die Ecke.

Wir vom Team ActiveCookbook haben uns vier Klassiker vorgenommen – plus einen kleinen Bonus aus Griechenland. Zu jedem Dessert erzählen wir dir kurz, woher es kommt, worauf es wirklich ankommt und welche Fehler in deutschen Küchen am häufigsten passieren. Für Baklava, Pastéis de Nata und Mochi bekommst du vollständige, mehrfach getestete Rezeptkarten.

Wer ein Dessert aus einem anderen Land backt, holt sich ein Stück Reise in die eigene Küche – ganz ohne Koffer.

Das erwartet dich in diesem Beitrag

  • Woher Baklava, Pastéis de Nata, Mochi und Cannoli stammen und was sie ausmacht
  • Wo du Yufka, Klebreismehl, Anko und Co. in Deutschland zuverlässig bekommst
  • Drei erprobte Rezepte plus die typischen Fehler, die du dir sparen kannst
Inhaltsverzeichnis
  1. Einkaufen für die Weltküche: Wo du die Zutaten findest
  2. Türkei: Baklava mit Pistazien
  3. Portugal: Pastéis de Nata mit karamellisierter Haube
  4. Japan: Mochi und Daifuku aus der Mikrowelle
  5. Italien: Cannoli siciliani mit Ricottacreme
  6. Bonus aus Griechenland und die häufigsten Fehler
  7. Häufige Fragen

Einkaufen für die Weltküche: Wo du die Zutaten findest

Die größte Hürde bei internationalen Desserts ist selten die Technik, sondern der Einkaufszettel. Viele Zutaten klingen exotisch, stehen aber längst in deutschen Regalen – nur eben nicht immer im Discounter. Im türkischen Supermarkt gibt es Yufka-Teig in mehreren Stärken und günstige Pistazien, im Asia-Markt Klebreismehl, rote Bohnenpaste und Matcha.

ZutatWofürWo in DeutschlandNotlösung
Yufka- oder FiloteigBaklavaTürkischer Supermarkt (Kühlregal), Supermarkt-KühlthekeStrudelteig, allerdings etwas dicker
Pistazien, ungesalzenBaklava, CannoliTürkischer Supermarkt, oft günstig als BruchWalnüsse – klassisch in vielen Regionen
Klebreismehl (Shiratamako, Mochiko)MochiAsia-Markt, Regal mit MehlenKein echter Ersatz – normales Reismehl klebt nicht
Anko (rote Bohnenpaste)Mochi-FüllungAsia-Markt, in Dosen oder BeutelnNuss-Nougat-Creme oder Erdbeeren
Blätterteig (Rolle, 275 g)Pastéis de NataJeder Supermarkt, KühlregalSelbst gemachter Blätterteig
RicottaCannoliSupermarkt, italienischer FeinkostladenAbgetropfter Magerquark mit etwas Mascarpone
Cannoli-SchalenCannoliItalienischer Feinkostladen, Online-HändlerSelbst frittieren mit Cannoli-Röhrchen
Profi-Tipp

Kauf Nüsse für Baklava und Cannoli lieber am Stück oder als Bruch und hacke sie selbst. Fertig gemahlene Pistazien sind oft blass, schnell ranzig und geben dem Dessert kaum Farbe. Kurz probieren lohnt sich: Schmecken sie bitter oder nach Pappe, sind sie zu alt.

Türkei: Baklava mit Pistazien

Baklava ist ein Dessert mit langer Geschichte. Schichtgebäck aus dünnen Teigblättern, Nüssen und Sirup kannte man in vielen Küchen des östlichen Mittelmeers, perfektioniert wurde es in den Palastküchen des Osmanischen Reiches. Heute gilt die Stadt Gaziantep im Südosten der Türkei als Hauptstadt der Baklava – dort wachsen die leuchtend grünen Pistazien, die dem Gebäck seine Farbe geben. Zu Festen wie dem Zuckerfest wird Baklava kiloweise verschenkt.

Das Geheimnis liegt in drei Dingen: hauchdünner Teig, viel geklärte Butter und der richtige Temperaturunterschied beim Übergießen mit Sirup. Geklärte Butter (Butterschmalz) enthält kein Wasser mehr, deshalb werden die Schichten knusprig statt zäh. Und ganz wichtig: Kalter Sirup kommt auf heiße Baklava. Nur so saugen sich die Schichten voll, ohne aufzuweichen.

Pistazien-Baklava aus der Auflaufform

  • Zeit: 45 Min. + 50 Min. Backen + 6 Std. Ruhen
  • Portionen: ca. 30 Rauten (Form 20 × 30 cm)
  • Schwierigkeit: mittel

Zutaten

  • 500 g Yufka- oder Filoteig (ca. 20 Blätter)
  • 250 g Butterschmalz oder geklärte Butter
  • 250 g ungesalzene Pistazien (oder Walnüsse)
  • 1 EL Zucker für die Nüsse
  • Für den Sirup: 300 g Zucker
  • 250 ml Wasser
  • 1 TL Zitronensaft
  • Optional: 1 Streifen Bio-Zitronenschale

Zubereitung

  1. Zuerst den Sirup kochen: Zucker und Wasser aufkochen, 8–10 Minuten leise köcheln lassen, Zitronensaft und Schale zugeben. Vollständig abkühlen lassen.
  2. Pistazien grob hacken (nicht mahlen) und mit 1 EL Zucker mischen. Backofen auf 170 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.
  3. Butterschmalz schmelzen. Teigblätter auf Formgröße zuschneiden und unter einem feuchten Küchentuch lagern, damit sie nicht austrocknen.
  4. Form einfetten. 10 Teigblätter einzeln einlegen und jedes dünn mit Butter bepinseln. Pistazien gleichmäßig verteilen.
  5. Die übrigen Blätter ebenso darauflegen und bepinseln. Die oberste Lage großzügig buttern.
  6. Mit einem sehr scharfen Messer vor dem Backen in Rauten schneiden – bis ganz auf den Boden.
  7. 45–50 Minuten goldbraun backen. Sofort den kalten Sirup gleichmäßig über die heiße Baklava gießen.
  8. Mindestens 6 Stunden, besser über Nacht, bei Raumtemperatur offen durchziehen lassen. Nicht in den Kühlschrank stellen.

Portugal: Pastéis de Nata mit karamellisierter Haube

Die kleinen Puddingtörtchen stammen aus Lissabon. Erfunden haben sie der Überlieferung nach Mönche im Stadtteil Belém, die Eiweiß zum Stärken ihrer Wäsche nutzten und für die übrigen Eigelbe eine Verwendung brauchten. Als die Klöster im 19. Jahrhundert geschlossen wurden, verkauften sie das Rezept – und aus einer Klosterspezialität wurde das bekannteste Gebäck Portugals. Dort isst man sie lauwarm, mit Zimt und Puderzucker bestäubt, zum schnellen Espresso im Stehen.

Typisch sind der splitternde Blätterteigboden und die fast schwarzen Flecken auf der Creme. Die entstehen nur bei sehr hoher Hitze. Dein Backofen sollte also so heiß wie möglich laufen – viele Geräte schaffen 250 °C, manche sogar mehr. Für zu Hause funktioniert gekaufter Blätterteig erstaunlich gut, wenn du ihn richtig einrollst.

Pastéis de Nata aus dem Muffinblech

  • Zeit: 40 Min. + 15 Min. Backen
  • Portionen: 12 Törtchen
  • Schwierigkeit: mittel

Zutaten

  • 1 Rolle Blätterteig (275 g, Kühlregal)
  • 300 ml Vollmilch
  • 25 g Weizenmehl (Type 405)
  • 150 g Zucker
  • 80 ml Wasser
  • 1 Zimtstange
  • 1 Streifen Bio-Zitronenschale
  • 4 Eigelb (Größe M)
  • Zimt und Puderzucker zum Bestäuben

Zubereitung

  1. Blätterteig von der kurzen Seite her eng aufrollen, 15 Minuten kalt stellen und in 12 Scheiben (ca. 1,5 cm) schneiden.
  2. Jede Scheibe mit der Schnittfläche nach oben in eine leicht gefettete Mulde des Muffinblechs legen. Mit nassem Daumen von der Mitte aus flach und am Rand hochdrücken, bis der Teig knapp über den Rand reicht. Blech kalt stellen.
  3. Backofen auf 250 °C Ober-/Unterhitze (oder die Höchststufe) vorheizen.
  4. Zucker, Wasser, Zimtstange und Zitronenschale aufkochen und 3 Minuten sprudelnd kochen lassen.
  5. In einem zweiten Topf 50 ml Milch mit dem Mehl glatt rühren, restliche Milch zugeben und unter ständigem Rühren aufkochen, bis die Masse leicht andickt.
  6. Zimtstange und Zitronenschale entfernen, den heißen Sirup in dünnem Strahl in die Milchcreme rühren. 5 Minuten abkühlen lassen.
  7. Eigelbe einrühren und die Creme durch ein Sieb in einen Messbecher gießen. Die Förmchen zu drei Vierteln füllen.
  8. Im oberen Drittel des Ofens 12–15 Minuten backen, bis der Teig goldbraun ist und die Creme dunkle Flecken zeigt. Lauwarm mit Zimt und Puderzucker servieren.

Wenn dich Blätterteig, Brandmasse und Co. reizen, findest du in unserem Beitrag Französische Pâtisserie zu Hause weitere Techniken, die sich wunderbar mit diesem Rezept kombinieren lassen.

Japan: Mochi und Daifuku aus der Mikrowelle

Mochi werden in Japan traditionell aus gedämpftem Klebreis gestampft – zum Jahreswechsel trifft man sich zum „Mochitsuki“, bei dem zwei Personen im Takt mit einem großen Holzhammer arbeiten. Die süße Variante mit Füllung heißt Daifuku: ein weicher, elastischer Mantel um eine Kugel aus roter Bohnenpaste, manchmal mit einer ganzen Erdbeere darin. Mit Klebreismehl aus dem Asia-Markt gelingt dir das ohne Stampfen, ganz einfach in der Mikrowelle.

Daifuku mit Anko-Füllung

  • Zeit: 30 Min.
  • Portionen: 8 Stück
  • Schwierigkeit: leicht

Zutaten

  • 100 g Klebreismehl (Shiratamako oder Mochiko)
  • 40 g Zucker
  • 120 ml Wasser
  • 200 g Anko (rote Bohnenpaste)
  • ca. 40 g Speisestärke zum Arbeiten
  • Optional: 8 kleine Erdbeeren

Zubereitung

  1. Anko in 8 Portionen teilen, zu Kugeln formen (bei Bedarf um je eine Erdbeere) und 15 Minuten kalt stellen.
  2. Klebreismehl, Zucker und Wasser in einer mikrowellengeeigneten Schüssel glatt rühren. Mit einem Teller abdecken.
  3. 1 Minute bei 800 Watt erhitzen, mit einem nassen Teigschaber kräftig rühren. Noch einmal 1 Minute erhitzen, rühren, dann weitere 30 Sekunden – der Teig ist fertig, wenn er glänzt und leicht durchscheinend ist.
  4. Arbeitsfläche dick mit Stärke bestäuben, die heiße Masse daraufgeben, ebenfalls bestäuben und in 8 Stücke teilen.
  5. Jedes Stück flach drücken, eine Anko-Kugel in die Mitte setzen und den Teig darüber zusammenziehen. Mit der Naht nach unten auf ein Brett setzen und überschüssige Stärke abpinseln.
  6. Am selben Tag genießen – im Kühlschrank werden Mochi schnell hart.
Typischer Fehler

Mochi sind sehr zäh und klebrig. Kleine Kinder und ältere Menschen sollten sie nur in kleinen Stücken und unter Aufsicht essen, denn die Masse kann sich im Hals festsetzen. Schneid Daifuku für Kinder deshalb in Viertel und biete ein Getränk dazu an.

Italien: Cannoli siciliani mit Ricottacreme

Cannoli kommen aus Sizilien, wo sie ursprünglich zur Karnevalszeit gebacken wurden. Heute gibt es sie in jeder Konditorei von Palermo bis Catania. Die Hülle ist ein dünner, mit etwas Wein oder Essig gekneteter Teig, der um Metallröhrchen gewickelt und frittiert wird. Dadurch wirft er die typischen Bläschen. Gefüllt wird mit gesüßter Ricotta, traditionell aus Schafsmilch, dazu kandierte Orangenschale, Schokoladenstückchen oder gehackte Pistazien an den Enden.

Für den Einstieg empfehlen wir dir fertige Cannoli-Schalen aus dem italienischen Feinkostladen. Die Creme machst du selbst: 500 g Ricotta über Nacht in einem Sieb mit Küchentuch im Kühlschrank abtropfen lassen, dann mit 80 g Puderzucker, etwas abgeriebener Orangenschale und 50 g gehackter Zartbitterschokolade glatt rühren. Nicht mixen – die Creme soll leicht körnig bleiben. In einen Spritzbeutel ohne Tülle füllen, Schalen von beiden Seiten füllen und die Enden in gehackte Pistazien tauchen.

Profi-Tipp

Fülle Cannoli erst unmittelbar vor dem Servieren. Schon nach einer halben Stunde zieht Feuchtigkeit aus der Ricotta in die Schale, und aus „knackig“ wird „labbrig“. Wer vorbereiten möchte, pinselt die Innenseite der Schalen dünn mit geschmolzener Zartbitterschokolade aus – das wirkt wie eine Sperrschicht.

Wenn du keine Ricotta bekommst, funktioniert eine Mischung aus gut abgetropftem Magerquark und Mascarpone im Verhältnis 2:1. Sie schmeckt etwas säuerlicher, ist aber eine sehr ordentliche Notlösung.

Bonus aus Griechenland und die häufigsten Fehler

Wenn du nach Baklava noch Lust auf Sirup hast: Loukoumades sind kleine griechische Hefebällchen, die frittiert und anschließend in warmem Honig gewendet werden. Sie gelten als eines der ältesten Desserts Europas. Für etwa 30 Stück verrührst du 250 g Mehl, 7 g Trockenhefe, 1 Prise Salz und etwa 250 ml lauwarmes Wasser zu einem dickflüssigen Teig, lässt ihn 1 Stunde gehen und stichst dann mit zwei nassen Teelöffeln Bällchen ab. Bei 175 °C goldbraun frittieren, abtropfen lassen, mit warmem Honig beträufeln und mit Zimt und gehackten Walnüssen bestreuen.

Typischer Fehler

Heißer Sirup auf heiße Baklava ist der Klassiker unter den Fehlern: Die Schichten saugen sich so schnell voll, dass sie matschig werden. Merke dir die Regel „einer heiß, einer kalt“ – und lass die Baklava danach wirklich ein paar Stunden in Ruhe.

Weitere Stolperfallen, die uns beim Testen begegnet sind:

  • Pastéis de Nata bleiben blass: Ofen war nicht heiß genug oder das Blech stand zu weit unten.
  • Blätterteigboden wird nicht knusprig: Teig vor dem Backen kalt stellen, nicht zu dick in die Mulden drücken.
  • Mochi kleben an allem: Lieber zu viel Speisestärke verwenden als zu wenig und mit nassen Händen arbeiten.
  • Cannoli-Creme ist flüssig: Ricotta nicht ausreichend abgetropft – plane die Nacht im Kühlschrank fest ein.

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Häufige Fragen

Kann ich Baklava einfrieren?

Ja, am besten ungebacken und ohne Sirup. Gebacken und durchgezogen hält sich Baklava ohnehin luftig abgedeckt bei Raumtemperatur etwa eine Woche. Im Kühlschrank wird der Sirup fest und der Teig zäh.

Warum braucht man für Mochi spezielles Mehl?

Mochi brauchen Klebreismehl, weil nur dessen Stärke beim Erhitzen die typisch elastische, ziehende Konsistenz bildet. Normales Reismehl ergibt eine bröselige Masse. Shiratamako oder Mochiko bekommst du in fast jedem Asia-Markt.

Kann ich Pastéis de Nata am Vortag backen?

Sie schmecken frisch am besten. Wenn du vorbacken musst, lagere sie offen bei Raumtemperatur und backe sie kurz vor dem Servieren 4 bis 5 Minuten bei 200 °C Ober-/Unterhitze auf, damit der Boden wieder knusprig wird.

Ist die Eicreme der Pastéis de Nata durchgegart?

Ja. Die Eigelbe werden bei sehr hoher Hitze gebacken und stocken vollständig. Damit eignen sich die Törtchen auch für Schwangere und Kinder, sofern sie gut durchgebacken sind und die Creme fest ist.

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